Dienstag, 9. Januar 2018

Tasche "Pünktchen ohne Anton" - Teil 2

Nach dem Hut- und Schalerwerb kribbelte es in meinen Kreativadern. Was würde mein Stofflager wohl Passendes hergeben?

Doch zunächst suchte ich einen Schnitt für meine Tasche aus. Auch danach sollte sich die Stoffauswahl richten, denn nicht alle Stoffe eignen sich für jeden Schnitt. 

Mit einer kleineren Handtasche komme ich selten aus. Wenn ich unterwegs bin, habe ich meistens mehr dabei, als ich in einer Handtasche unterbringen kann. So wählte ich aus einer Patchworkzeitschrift den Schnitt zu einer geräumigen Strandtasche aus. Wie dann die Flächen zu gestalten seien, das würde der Stoff diktieren.



Neulich hatte ich doch aus einem ehemaligen Raumausstattergeschäft ein paar Katalogmusterproben geerbt, die netzartig durchbrochen sind. Ich legte mir alle Stoffstücke in den vorhandenen Farben zu meinem Schal. Ja, darin fand ich schon mal die Strukturvorgabe gespiegelt Die regelmäßigen Durchbrüche erinnerten mich an die Punkte auf dem Schal und auf dem Hutrand.

Ich legte dann nur die Muster zu dem Schal, deren Farben sich in der Vorgabe wiederholten. Die anderen Muster legte ich beiseite (links: Gelb, Orange, Beige, Natur).

Das gefiel mir schon mal sehr gut so.



Natürlich konnte ich den durchbrochenen Stoff nicht als Taschenaußenhaut verwenden, so löcherig, wie er war. Also musste er eine Unterlage bekommen. Auch dafür suchte ich Stoffe aus meinem Vorrat aus, die farblich kompatibel waren.

Ich fand das leuchtende Rot von Schal und Hut, außerdem ein Jeansblau und ein Lindgrün (rechts liegend).



Um die Wirkung der Farben hinter dem Durchbruchstoff zu betrachten, legte ich die unifarbigen Stoffe hinter die Netzstücke. Ja, so ging es schon in die richtige Richtung ...




Den lachsrosa Durchbruchstoff habe ich dann später doch noch aus der Vorauswahl entfernt, denn die Tasche sollte universell einsetzbar sein. Und Lachsrosa kann da schon mal inkompatibel wirken, wenn der Schal nicht getragen wird.

Hier einmal der Schnitt in Nahansicht. Auf ihm habe ich schon mal angezeichnet, wie ich plane, die Taschenhaut aufzubauen. Ich teile den Schnitt in der Mitte, dann jede Seite noch in drei beliebig geschnittene Teile.



Hier der Schnitt im geteilten Zustand:


In Teil 3 wird es weitergehen mit dem Zusammenpatchen der gewählten Stoffe ...

Tasche "Pünktchen ohne Anton" -Teil 1

Frau hat sich einen Hut gekauft. 

Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir in einem Hutsalon einen Hut gekauft habe. 

Eine Art nostalgischer Teewagen, den ich durch die Eingangstür von draußen gesehen hatte, lockte mich und meine vier Freundinnen in den Laden. Darauf waren einige Hüte und Schals drapiert, deren Farbe mich in den Bann zog. Schwarz und Rot dominierten. Zwei Farben, die ich sehr gern miteinander kombiniere und die sich auch in einem bereits vorhandenen Mantel miteinander vereinen.

Ich war zuerst sehr unsicher, ob ich mit einem Hut auf die Straße gehen würde. Ich wurde sehr nett beraten und ließ mich bald überzeugen und mir nach der Hutprobe (Richtung Mutprobe) anschließend auch noch den passenden Schal um den Hals binden. Die Hutmacherin persönlich drückte mir den Hut tiefer ins Gesicht, hielt den Schal für unverzichtbar. Verständlicherweise, denn sie hatte den Hut nach Vorgabe des Schaldesigns selbst gestaltet. 

Mein Herz hüpfte heimlich schon vor Begeisterung, denn Hut und Schal auf dem Kopf bzw. um den Hals steigerten sofort meine Laune - jedes Mal, wenn ich in den Spiegel sah. Nach vielen schon ziemlich verliebten Blicken in den Spiegel war meine Entscheidung gefallen - Hut und Schal sollten in meinen Besitz übergehen.

Die Designerin war offensichtlich sehr erfreut und wir kamen, nachdem meine Freundinnen, die noch etwas anderes besorgen wollten, den Laden verlassen hatten, in ein persönliches Gespräch, in dem ich ihr erzählte, ich würde wohl noch am selben Abend vor meinem Stofflager liegen und Stoffe für eine passende Tasche aussuchen, die ich mir nähen wolle.

So war es dann auch ... zwar nicht am selben Abend, aber nur wenige Tage später.

Doch hier möchte ich erst mal den traumhaften Hut mit dem fröhlich-bunten Schal zeigen:



In der nächsten Folge (Teil 2) soll es um die Stoffauswahl gehen.

Ein neues Etui für Stifte

Unter den geerbten Stoffen sind auch solche mit Motiven, die sich besonders für Kinderprojekte eignen. Also nähte ich ein weiteres Stifte-Etui nach der bewährten Methode. 

Die Außenhaut wurde mit Volumenvlies unterfüttert und dann dem Stoffmuster entsprechend durchgesteppt.

Ein grober Reißverschluss wurde geteilt und nur die eine Hälfte verwendet, da er einmal vom Taschenboden nach oben und auf der anderen Seite wieder zurück verläuft.



Das Futter besteht aus einem schlichten Baumwollstoff, dessen Farbe gut mit der Außenseite harmoniert. Auch das Blauviolett für die eingenähten Stiftfächer passt zum Außenstoff.



Um die Stifte besser greifen zu können, kann man das Etui während des Malens oben umklappen. So wird das Etui quasi zu einem Köcher. Der Bodenraum bietet Platz für Radiergummi und Anspitzer.



Fertig?
Hochklappen und den Reißverschluss schließen.



Ein dekorativer Zipperanhänger aus Glasperlen erleichtert das Greifen.


Montag, 8. Januar 2018

Eine wilde Rose

In alten Stoffmusterkatalogen, wie es sie in Raumausstattungsgeschäften gibt, könnte ich stundenlang schmökern und Ideen entwickeln oder Taschen und Täschchen zusammenträumen.

Einige solche Stoffmusterkataloge wurden mir neulich geschenkt. Die Muster sind zwar fest mit doppelseitigem Klebeband eingefügt, doch mit etwas Mühe und ein paar Tricks ist es mir mit zwei Stücken schon mal gelungen, sie so zuzubereiten, dass sie für ein Täschchen verwendbar wurden.

Hier der isolierte Stoff, zusammen mit einer Rolle rotem Kunstleder. So lagen die drei Teile ein paar Tage verlockend auf meinem Zuschneidetisch, bevor ich in Ruhe ans Werk gehen konnte.


Ist das Design nicht bezaubernd? 

Einen ganzen Nachmittag und Abend brauchte ich für die Fertigstellung. 


Das Innenleben besteht aus einem einteiligen Seitenfach und einem dreigeteilten auf der anderen Seite. Mein Label habe ich dieses Mal innen angebracht, damit die Rosenbilder nicht gestört werden. Ich gebe außerdem zu ... ich hatte vergessen, es zum richtigen Zeitpunkt auf das rote Kunstleder zu nähen.



Der Boden hat eine große Fläche, so hat man viel Raum auch für Crèmetöpfchen oder Tuben.


Die passende Körperlotion gab mir die Idee für den Namen der Tasche ... WILDROSE!

Sonntag, 10. Dezember 2017

Na so was!

Das war ein schnelles Projekt für zwischendurch - ein Einkaufsbeutel (nicht Jute, aber Stoff statt Plastik). 

Er hat eine kleine Vorgeschichte und hoffentlich kein Nachspiel.

Meine Freundin hatte einen ganzen Stapel Altkleider gesammelt. Sie weiß ja, dass ich Taschen nähe und aus vielen Materialien noch etwas zaubern kann. So gingen die Altkleider nicht in den Container, sondern durchliefen meine Begutachtungsstrecke. Alles wurde auseinandergepflückt, genau angesehen und dann unter meine anderen Materialien sortiert.

Weggeworfen habe ich fast nichts.

Stoffe wurden in verwendbare Stücke geschnitten, Knöpfe abgetrennt, ebenso Reißverschlüsse, Häkchen und mehr. 

Auf einer schon ziemlich unmodernen Winterjacke prangte auf dem Rücken ein großes Schriftzeichen. "Das könnte man auf einer Tasche verwenden", sagte ich zu meiner Freundin. Sie lachte und meinte: "Au ja, mach mal, das wäre ja lustig, wenn ich dieses große Schriftzeichen dann auf einer Tasche hätte ..."

Ahnte sie schon, was passieren würde?

Ich legte also los. Ein Einkaufsbeutel sollte entstehen, einer von der etwas edleren Art.

Zuerst schnitt ich den Außenstoff zu, den ich auch in dem Fundus meiner Freundin fand. Der Stoff war mal ein feiner anthrazitfarbiger Wollflanellrock ihrer Tochter gewesen. Ich drehte ihn einfach um, denn auf der Rückseite sah er nicht filzig aus (wie auf der Vorderseite), sondern eher wie ein ganz feiner Tweed. Feine weiße Nöppchen machten das Stoffdesign lebendiger und die Webstruktur war klarer zu erkennen.



Das riesige Buchstabengefüge von der Jackenrückseite schnitt ich sorgfältig aus und wollte es dann zuerst auf den Wollstoff "kleben" (mit Thermovlies). Dabei war mir aber nicht klar, dass das Buchstabenbild gar kein heißes Bügeleisen vertrug. So entstand gleich beim ersten Bügelstrich eine schäbige Spur.

Ja, wie modern die Tasche nun wird! Shabby (schäbiger) Chic ist doch sehr gefragt! Statt mich zu ärgern über mein Missgeschick freute ich mich über diese ungewollte und doch willkommene Wendung. 

Das weitere Aufbügeln ließ ich dann lieber bleiben, des Schäbigen als netten Akzent hatte die Tasche nun genug. Es ging weiter. Ich steppte das ausgeschnittene Buchstabenbild mit Steppstich auf und zackelte den Rand mit Zickzackstichen fest.


Was nun als Futter nehmen?

Eine Bekannte aus meiner Nähgruppe verwendete gerade einen Taftstoff für eine Tasche, die sie nähte. Den Rest wollte sie beinahe entsorgen, als ich registrierte, wie gut er für mein Taschenprojekt passen könnte. So bekam ich ihn. Passt er nicht hervorragend?


Ein kleines Innentäschchen habe ich für Taschentücher oder andere Kleinigkeiten eingenäht.

Dann passierte mir wieder ein Fehler. Ich schnitt aus dem Jackenstoff eine Henkelgrundlage aus (heller Stoff), darauf nähte ich einen Streifen von dem dunklen Wollstoff. Dabei vergaß ich, den schwarzen Unterfaden gegen einen naturweißen auszutauschen. Aufmachen? Nein - weitermachen! Im Gegenteil - mitten zwischen den beiden äußeren Zickzacknähten entstand noch eine dritte und - schwupps - verwandelten sich die Nähte in Ziernähte auf der Unterseite der Henkel.

Nur ein Bäcker, der aus Scheiße Kuchen backen kann, ist ein guter Bäcker, sagte mir neulich eine Bekannte. Mag ja sein, aber irgendwie hoffte ich nur, dass sie keine gute Bäckerin sei. 
Aber aus Fehlern Design machen, ist ja weniger verfänglich ... ODER???


Als die Tasche nämlich fertig war und so am Schrank hing, bekam ich einen Schreck. Oha - was hatte ich denn da fabriziert?

Auf der Jacke hatte das Bild so ausgesehen wie auf dem linken Foto. Was wohl bedeuten soll, dass die Größe EXTRA-SMALL ist = X--><--S. Und was war nun daraus geworden??? 

Die Tasche hat - wie schon gesagt - eine kleine Vorgeschichte und hoffentlich kein Nachspiel. Oha ...


Mal sehen, ob meine Freundin etwas merkt. Ich werde nichts sagen. Und wenn sie es merkt, hat sie hoffentlich genügend Humor, dass sie die Tasche trotzdem benutzt.

P.S.:
Hätte ich beim Planen der Tasche nur nicht so oft gedacht, dass ich beim Aufnähen des Bildes aber höllisch aufpassen muss ... es wäre vermutlich nicht passiert. Xtra-dumm gelaufen ... oder Xtra-lustig?

Dienstag, 21. November 2017

Edeltäschchen

Pink Flower nenne ich sie, die edle Kulturtasche, die ich nach Auftrag gefertigt habe. 

Der Auftrag hieß: 

Eine Tasche, so wie die mit dem Teekännchen ...



... also unten auch mit Leder, aber insgesamt breiter,
irgendwas mit Pink und Lila,
für eine junge Frau halt



Der Oberstoff ist ein kräftiger apfelgrüner Baumwollstoff, der mit zwei verschiedenen pinkfarbigen Blüten bestickt ist. Im unteren Teil habe ich einen Kunstlederstreifen angebracht, der die Tasche beim Hinstellen unempfindlicher macht.



Innen habe ich die Tasche mit einem passenden Baumwollstoff gefüttert, den ich auf Volumenvlies mit diagonalen Stepplinien aufgenäht habe.



Innen sind auf der einen Seite ein durchgängiges Innenfach mit pinkfarbiger Kante ...


... auf der anderen Seite ein eben solches Fach angebracht, das aber senkrecht in drei Teile geteilt ist.



Mit Inhalt kann das dann so aussehen:


Es wird mir sehr schwer fallen, diese Tasche wegzugeben, denn sie gefällt mir selbst auch sehr gut. Sie ist sehr solide und die Stickerei ist einfach ein Traum!!! Ich würde sie mir wohl nur zum Schmuck in mein Bad stellen, vielleicht ein paar spezielle Sachen darin unterbringen (feine Düfte, besondere Crèmes, Badesachets oder ähnliches).

Donnerstag, 16. November 2017

Macht Spaß und ist gefragt

Old Style für moderne Technik scheint gefragt zu sein. Diese Erfahrung machte ich am vergangenen Wochenende, als ich zum ersten Mal mit meinen Werken an einer Kreativ-Ausstellung teilnahm. Was vor allem Interesse fand, waren selbstgestrickte Socken (ein Klassiker, der immer gut geht), Stricktücher in ansprechendem Design und Beiwerk zu Handy, Tablet und Co..

Haben Sie auch Handyhüllen? fragte mich eine Besucherin der Ausstellung. Genäht oder gestrickt? wollte ich wissen. Egal, sagte sie.

Nein, Handyhüllen hatte ich keine, nur ein Handysitzkissen. Und das war - ratzfatz - weg. Ein Ehepaar drehte die Ausstellungsrunde zum zweiten Mal. Wo ist denn das Handykissen? fragte die Frau. Ihr Mann hatte es kaufen wollen, doch nun war es schon verkauft. Soll ich noch eins nähen? fragte ich und bekam sofort einen Auftrag. 

Nun hatte ich leider schon vergessen, wie es ging und mir auch keine Aufzeichnungen gemacht. Also musste ich nochmal von vorne anfangen.

Heute Morgen nähte ich einen Prototyp, bevor ich mich an den Auftrag begab. Der sollte nämlich aus einem besonderen Stoff gefertigt werden. Momentchen ... später erst mehr dazu ... zunächst der Prototyp. Es war schon der zweite, da ich den ersten noch optimieren musste. Das Handy rutschte nämlich dauernd von seinem Sitzkissen. Also wurde der Sitzwulst vergrößert. 

Hier das fürs Handy sehr bequeme Sitzmöbel:



Dieses Sitzkissen wird nun meinem Handy als Stütze dienen. Der Stoff gefällt mir sehr gut und da ich auch oft am Tisch sitze und mit dem Handy etwas im Internet nachschlage, wenn ich z. B. ein Buch lese und etwas noch vertiefen möchte, kann ich das Kissen gut gebrauchen. Sehr nützlich, so ein Teil! Das Handy liegt nicht flach auf dem Tisch, man verrenkt sich nicht den Hals beim Lesen.


Doch nun zu meinem Auftrag. Ein blauer Stoff sollte es sein. Am besten friesisch. Ich wühlte in meinen Stoffvorräten. Friesisches ... hm ... 

Da fiel mir ein besticktes Stück Stoff in die Hände, eines aus einer ganzen Kiste alter Stoffe, Tischdecken, Plüschs und Tülls. Manches davon erinnerte mich an meine Kindheit, denn es lag bei meiner Tante auf dem Küchentisch oder auf dem Couchtisch. Die Kiste hatte mir meine Cousine geschenkt. "Guck mal, was du davon gebrauchen kannst. Den Rest kannst du einfach entsorgen."

Es ist immer wieder spannend, was sich aus solchen Dingen eines Tages entwickeln kann. Eine Geschichte steht ja noch aus - sie wird Thema des nächsten Posts sein (liebe TV!).

Das in wunderschönen Blautönen in Kreuzstich bestickte Stoffstück hatte wirklich etwas Friesisches. In meinem Herzen fragte ich meine Tante-selig, die es liebevoll bestickt hatte: Bist du einverstanden, dass ich dein wunderschönes Machwerk dem Zeitgeist anpasse? Ich spürte dort keine Widergefühle, im Gegenteil, mein Herz hüpfte vor Freude, als ich mir ein kleines Sitzkissen aus diesem Stoff vorstellte. Entsprechend harmonisch verlief auch dessen Herstellung.

Und hier ist nun das Ergebnis:






Die Auftraggeber haben es bereits auf diesen Fotos gesehen ... es gefällt! Und ich freue mich (mit Tante-im-Herzen).