Mittwoch, 12. September 2018

Die Pfirsiche sind reif!

Ja, tatsächlich ... die Pfirsiche im Nachbargarten sind reif. Es scheint sie niemand zu mögen, denn sie hängen traurig an einem noch kleinen Bäumchen, haben mit ihrem Gewicht schon einen Zweig zu Boden gezogen, aber sie haben genau so schöne rote Bäckchen wie die Pfirsiche auf der neuesten Tasche.

Eine Foldover-Tasche wurde heute fertig, sie hat den gleichen Schnitt wie diese:

 

Das neue Exemplar entstand, als eine Bekannte mir erzählte, sie habe eine alte grüne Lederjacke, die sie schon fast entsorgt hätte, da sie ihr zu groß sei. Als sie die schwarzbraune Tasche sah, fragte sie mich, ob ich ihr aus der Lederjacke nicht auch so eine Tasche nähen könne. Also ging's wieder in mein Stofflager und ich machte ihr einen Vorschlag. Sie war gleich begeistert, daher legte ich gleich los. Das Ergebnis: 

Vorderseite

Rückseite mit eingebautem Reißverschlussfach

Wenn man den Faltteil anders herüberlegt,
bekommt man eine Vorderseite in anderem Design -
hier die Pfirsichblüten

Und auch die Rückseite sieht dann anders aus

Hochgeklappt - so kann man in die Tasche bei Bedarf
z. B. noch eine Jacke stecken

Die Außenreißverschlusstasche ist solide mit einem schwarzen Futterbeutel unterlegt

Auch innen kann man hinter einem Reißverschluss Sachen sicher unterbringen
und die gesamte Tasche wird oben mit einem Reißverschluss gegen Langfinger gesichert

Die Pfirsiche sind reif!
Bei dem Stoff handelt es sich um einen hochwertigen Dekostoff. Gurt und Ringe stammen von einem alten Taillengürtel, auf den ich einen langen Lederstreifen aus der Jacke nähte. So wurde er dem Taschendesign angepasst.

Montag, 3. September 2018

Leicht zu nähen - Topfhandschuhe

An einem der heißesten Tage dieses Jahres hatte ich die Nase voll, die Schweißdrüsen liefen über und ich zog - zusammen mit meiner Nähmaschine und der Werkzeugkiste - in den Keller. Und dort nähte ich ausgerechnet etwas, was man an den kältesten Tagen des Jahres braucht - ein Paar extrem dicke Fausthandschuhe.

Nein - Quatsch! 

Diese Handschuhe braucht man in der Küche, um sich die Finger nicht zu verbrennen - ein Paar Topfhandschuhe.

Die Außenseite habe ich genäht aus einem fröhlich-bunten Dekostoff, die Innenseite aus einem sehr dicken BW-Stoff, der mit Thermolam unterfüttert wurde. Das Futter besteht aus einem grünen einfachen BW-Stoff.
 


Hier die Vorgehensweise:

Nach einem selbst gezeichneten Schnitt (eigene Hand großzügig umfahren oder Schnitt bei mir anfordern - siehe Textende) werden die benötigten Stoffteile zugeschnitten:

  • 2 x Handaußenfläche + Nahtzugabe
  • 2 x Handinnenfläche + Nahtzugabe
  • 4 x Futterstoff + Nahtzugabe - ACHTUNG: Am unteren Rand ca. 2 - 3 cm länger zuschneiden für den späteren Rand 
  • 2 x Thermolam für die Handinnenfläche (auf den naturweißen Stoff aufzusteppen, OHNE Nahzugabe!)
  • 4 x Volumenvlies zum Aufbügeln (für das Futter) + Nahtzugabe

Die Außenfläche wird am Rand mit Zickzack versäubert und erhält eine Griffschlaufe (hier grün und aus dem Futterstoff gefertigt, oben links auf dem Bild), die nach innen gerichtet an den Rand geheftet wird. Solch eine Schlaufe kann man auch als Kordel (gekauft oder selbst gedreht) anbringen.




Der Handinnenflächenstoff wird mit Steppstichen seinem Muster entlang diagonal auf das Thermolam gesteppt und der stark fransende Stoff wird mit Zickzack versäubert.



Nun werden der Handinnenflächenstoff und der Außenflächenstoff rechts auf rechts zusammengenäht. Dabei darauf achten, dass die vorher bereits angenähte Schlaufe nach innen zeigt.




Der Futterstoff erhält eine aufbügelbare Verstärkung aus Volumenvlies. Auch dieses wird zu dekorativen Zwecken diagonal aufgesteppt.

Die beiden Futterstoffteile werden rechts auf rechts zusammengesteppt, wobei am Rand (im oberen Bereich des Fotos erkennbar) ca. 10 cm für die Wendeöffnung frei bleiben müssen.

Hier sieht man gut die Verlängerung des Schnittes zum Arm hin, die auf der Vorderseite des Handschuhs anschließend herausschauen wird.



Futter und Außenhandschuh werden nun rechts auf rechts (Futterhandschuh über den Außenhandschuh) übereinandergezogen und am unteren Rand zusammengesteppt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Ränder des Handschuhabschlusses beim Nähen genau aufeinanderliegen.

Nach dem Nähen wird der Handschuh gewendet (umgestülpt durch die Wendeöffnung) und die Wendeöffnung sehr knappkantig mit der Maschine von außen zusammengenäht. Wer es noch perfekter haben möchte, näht die beiden Stoffränder von Hand gegeneinander. Ich habe darauf verzichtet, da sich die Naht ja innen im Handschuh befindet.



Einmal von der anderen Seite aus betrachtet ...



Nun braucht nur noch das Futterteil in den Handschuh hineingestülpt zu werden, ein bisschen hin- und herruckeln - fertig! Da das Futter größer ist als der Außenstoff, schaut es beim Hineinstecken ein Stück heraus. Ich finde, dies ist die einfachste und eleganteste Lösung, um dem Handschuh einen schönen Abschluss zu geben. Natürlich kann man, wenn man möchte, stattdessen den offenen Rand auch mit Schrägstreifen einfassen. 

Und weil es so viel Spaß gemacht hat, habe ich gleich noch ein zweites Paar zum Verschenken genäht. Dabei habe ich den Schnitt am Daumen noch nachgebessert (vergrößert), denn beim ersten Exemplar war der etwas mickrig geraten.



Viel Spaß beim Nachnähen!

Sollte der Wunsch bestehen, meinen Schnitt zu verwenden, kann man mir eine Mail schicken (yin[minus]yang[minus]balance[ätt]arcor[punkt]de) und ich würde den Schnitt dann (kostenlos) per Mail als pdf-Datei zum Ausdrucken versenden. Da der Schnitt nur ganz knapp auf ein A4-Blatt passt, muss die Daumenrundung frei ergänzt werden.

So etwas wird immer gebraucht - ein Etui für allerlei

Ein besonders dekorativer Stoff in dunkelwarmen Farben übte einen starken Reiz auf mich aus, kreativ zu werden. Man wird es gleich sicher nachvollziehen können.

In meinem Vorrat fand ich zwei ähnliche Stoffmuster aus einer Vorhang- und Polsterstoffkollektion, die ich miteinander in einem Etui kombinierte - als Vorder- und als Rückseite.

Der Unterschied besteht in einer leichten Farbvariante, die dem Etui einen besonderen Pfiff gibt.

 



Für das Innenfutter verwendete ich einen ebenso hochwertigen Stoff aus der gleichen Kollektion, der aber schlicht gewebt ist. Um die Farben der Außenseite innen wieder aufzugreifen, wählte ich dazu ein rotes und ein blaues Stoffstück und steppte beide in beiden Farben mit einem Schmuckstich diagonal auf die Vlieseinlage (Volumenvlies). 

Auf der einen Innenseite erhielt das Etui zwei praktische Einsteckfächer in der Gegenfarbe (Rot auf Blau).



Der Steppstich noch einmal aus der Nähe:



In den Griffschlaufen wiederholen sich die beiden Farben des Futters. Als Greifhilfe für den Reißverschlusszipper bastelte ich eine  Papierperle aus einem Geschenkpapier.

Dazu wird ein Streifen des Papiers abgeschnitten, mit Kleber (Ponal) bestrichen und über einem Schaschlikstab aufgerollt. Anschließend wird die so entstandene Perle noch mit Klarlack überzogen. Ich habe dazu transparenten Nagellack verwendet.

Die auf Nylonfaden aufgefädelte Perle habe ich mit farblich passenden Kugelperlen aus meinem Sortiment ergänzt.



Den Stoff hatte ich so zugeschnitten, dass genau auf den abgenähten Boden ein Streifenstück fiel. Noch ein kleiner Hingucker!


Samstag, 1. September 2018

Bewährter Schnitt - neue Tasche in Beutelform

Ein Stoff in grau-roten Blockstreifen hat mich schon lange angelächelt und er ist wegen der Streifigkeit geradezu prädestiniert für eine Tasche, die gegenläufig schräg zugeschnitten wird.

Es geht los:

Zu dem schräg zugeschnittenen Stoff wird eine passende Thermolamfläche zugeschnitten, die untergesteppt werden muss, da sie nicht aufbügelbar ist.


Das mit Stecknadeln fixierte Thermolam ist bereit, festgesteppt zu werden ...


Die beiden zugeschnittenen Flächen des Außenstoffes laufen im Muster gegeneinander ...


... die Streifen ergeben auf der einen Seite nach oben zeigende Spitzen, auf der anderen nach unten zeigende Spitzen.



Der Stoff nach dem Steppen - ich habe graues, etwas dickeres Nähgarn verwendet. Der Oberstoff wirkt wegen des untergelegten Thermolams sehr plastisch. Alle Ränder sind gegen Ausfransen mit Zickzackstichen gesichert.


Die beiden Stoffstücke werden vorne und hinten aneinandergenäht. Die Nähte sind die späteren Mittellinien auf Vorder- und Rückseite der Tasche. Anschließend wird die Tasche durch Abnähen der Ecken mit einem Boden versehen.

von vorne

von hinten


Hier ein Blick ins Tascheninnere mit dem fertig genähten Boden:



So sieht die Tasche jetzt von außen aus:


Für den Tragegurt habe ich einen gerade zugeschnittenen Streifen ebenso mit Thermolam verstärkt und auch abgesteppt. Der fertige Gurt wird angenäht.


Aus einem gemusterten Taft in Grau entsteht das Futter nach dem selben Schnitt wie der für den Außenstoff.



Das Futter wird ebenso zusammengenäht, erhält aber vorher noch eine große Innentasche mit Reißverschluss.


Die fertige Tasche: Beim Zusammennähen von Außenstoff und Futterstoff wird ein eigens angefertigter Verschlussstreifen mitgefasst, der mit einem großen Druckknopf zu schließen ist. Die Brosche ist nur zur Zierde aufgesteckt. 


Die gefüllte Tasche von beiden Seiten:


Details ...

der Taschenverschluss:




Das Futter mit Innentasche:



Rechts die Unterseite des Tragegurtes - auf Thermolam gesteppt:




Ein Schnitt, zwei Taschen:


Die Anleitung zu dieser Tasche findet man in dem Heft: 

S. 52 ff

Das Modell 18 trägt den Namen "Pure Home". Die Anleitung beschreibt die Anfertigung der rechten Tasche auf meinem letzten Foto. Es war sehr schwierig, die Anleitung nachzuvollziehen, denn das Zusammensetzen des Außenstoffes aus drei Streifen war nicht sehr gut erklärt. Mir gelang es erst, nachdem ich ein Modell aus Papier hergestellt hatte, sonst hätte ich die verwirrende Anleitung nicht verstanden.

Das grau-rote Modell dagegen ließ sich viel leichter herstellen, weil das vorherige Zusammensetzen des Stoffes entfällt. Für den Anfang würde ich diese Variante empfehlen. Besonders geeignet sind natürlich Stoffe in Streifendesign, die sich gegenläufig zusammenfügen lassen.

Ich habe für die Tasche einen sehr hochwertigen Baumwoll-Dekostoff verwendet. Alles in allem hat mich das Material für die Tasche (incl. Brosche aus Holz) ca. 80 € gekostet. Die Tasche ist (ohne Brosche, die aber abnehmbar ist) bei 30° waschbar.

Samstag, 14. Juli 2018

Spende - Legosteine für eine Schule

Nun sind sie alle weg - meine Legosteine, die ich mir erst zugelegt habe, als ich 35 war. Warum so spät? - Weil ich als Kind nie genug Steine hatte, um mehrere Häuser zu bauen, was aber immer mein Traum war. So legte ich mir also eine große Menge Steine erst im Erwachsenenenalter zu, spielte mich satt und nahm die Kisten dann mit in die Schule, in der ich als Grundschullehrerin arbeitete. Bei meiner Pensionierung nahm ich sie natürlich mit nach Hause, wo sie seitdem ein trauriges, langweiliges Dasein fristeten.

Bis vor einiger Zeit ...

da saß ich im Café und entdeckte in dem Magazin "Meile", das dort auslag, ein zweiteiliges Interview mit dem Künstler und Pädagogen Josef Köhler, der ein neues Bildungsmodell entwickelt hat. Er gründete das Institut für Bildungskunst, in dem Kunst und Bildung zu einer neuen Form des ganzheitlichen Lernens verschmelzen. Sein Konzept heißt PRRITTI. Danach sollen Kinder durch künstlerische Prozesse individuell und spielerisch lernen. In Heidenoldendorf gibt es seit 2015 eine Grundschule, die nach diesem Konzept arbeitet.

Dieses Konzept gefiel mir in seiner Darstellung so gut, dass ich am "Tag der offenen Tür" mir ein Bild von dieser Schule machen wollte. Ich fing Feuer! Ich führte mit Herrn Köhler ein interessantes Gespräch und beschloss, meine Legosteine wieder in den Fluss des Lebens zu bringen. Die Idee dazu kam mir durch einen Aushang des Fördervereins, der für Spenden warb, da die Schule neues Material für ihr Lernlabor benötigt. Dabei wurde inbesondere das neue LEGO EDUCATION erwähnt, das in Themenkästen angeschafft werden soll.

Was gibt es nun für mich Schöneres, als in dem Bewusstsein meine Projekte zu nähen, dass ich diese Anschaffung mit unterstützen werde! Immer wieder bekomme ich eine kleine finanzielle Wertschätzung meiner Arbeiten, die ich - abzüglich des Materialwerts - gern an die Schule weitergeben möchte. Am Ende des Jahres wird sich zeigen, wie kreativ ich war ... 

Adieu, ihr vielen Steine! Mögen die Kinder der PGS-Schule sich an euch entwickeln!

Zwei Tipps

Tipp 1:

Während ich an der Nähmaschine arbeite, fallen immer diese lästigen, abgeschnittenen Fäden an, von denen man während des Arbeitens oft nicht weiß, wohin damit. Ich habe mir dazu einen Nüssebecher mit Deckel aufgehoben (so einen, in dem Cashewnüsse aufbewahrt waren).

Der Becher dient als Fadenmülleimer, den Deckel benutze ich, wenn ich beim Nähen die Nadeln aus dem Stoff ziehe. So können sie nicht vom Tisch fallen und ich habe sie gleich in gesammelter Form, um sie ins Nadelkästchen zurückzuschütten.



Tipp 2:

Für den ganzen Kleinkram, den man beim Nähen so braucht, habe ich mir eine Werkzeugkiste im Baumarkt gekauft. Sie ist fürs Nähen sehr praktisch. Da ich ja wöchentlich mit Nähmaschine und Werkzeug unterwegs bin, war es dringend notwendig, so eine Kiste anzuschaffen, damit ich immer alles bei mir habe.

Wenn ich zuhause nähe, steht die Kiste auf einem Stuhl neben dem Bügelbrett. Da ich auf dem Bügelbrett viel arbeite, brauche ich für ein Werkzeug nur kurz zur Seite zu treten und es aus der Kiste zu nehmen. So bleibt auf dem Bügelbrett der Platz zum Arbeiten frei.

Getigertes Entenvieh

Nochmal das bewährte Stifte-Etui für kleine Kinder ...


Es passen ca 12 Stifte hinein, außerdem Anspitzer und Radiergummi.


Das Äußere ziert die Tigerente am Zugband.


Das Nähen des Bodens ist immer das Kniffligste. Ich sollte es vielleicht mal wieder tun, nachdem ich nun einige Rundungen - mit entsprechenden Tricks - genäht habe.


 Ein fröhlich-gelber Quast verziert den Reißverschlusszipper.



Der obere Etuirand lässt sich so umschlagen, dass das Etui offen auf dem Tisch stehen und das Kind die Stifte herausnehmen kann.


Dieses Etui entstand schon Ende Januar, ich kam nur nicht dazu, es zu zeigen.